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Bericht über den Fachtag des Landesverbandes am 28.03.2009 in Stuttgart mit dem Thema
"donum vitae in Baden-Württemberg - Zukunftsperspektiven"

beobachtet von Manuela Pfann

„Unsere Arbeit wird nie zur Normalität"

Neun Jahre nach der Gründung: Zeit zum Innehalten und Gelegenheit zum Ausblick beim ersten donum-vitae-Fachtag des Landesverbands Baden-Württemberg in Stuttgart
donum vitae ist angekommen in der Realität der deutschen Wohlfahrtspflege – ein schwieriger Generationswechsel im Verband hat begonnen

Als im Sommer des Jahres 1999 die deutschen Bischöfe letztendlich Anweisung aus Rom bekamen, aus der Schwangerschaftskonflikt-beratung auszusteigen, musste quasi über Nacht eine neue Struktur für die Beratungsarbeit aufgebaut werden, wollte man das Feld nicht ohne ein Beratungskonzept für das Leben aus katholischer Sicht zurücklassen. Gelang dies in Bayern relativ problemlos (die Beratungsstellen des Sozialdiensts Katholischer Frauen (SkF) wurden allesamt übernommen), so mussten in Baden-Württemberg parallel zum SkF weitere Beratungsstellen eingerichtet werden, die eine Konfliktberatung möglich machten. Eine Tatsache, die rasches Handeln von den damaligen Mitgliedern des Zentralkomitees der deutschen Katholiken verlangte: Unter ihnen waren je drei Vertreter der beiden Diözesen des Landes, die sich verpflichtet fühlten, für Baden-Württemberg die Initiative zu ergreifen. Ihr Zusammentreffen im Karlsruher Bahnhof am Nikolaustag 1999 war wegweisend für donum vitae im Land. Und bald darauf, am 15. Februar 2000, wurde der Landesverband „donum vitae in Baden-Württemberg e.V.“ in Stuttgart gegründet.

Fast ein Jahrzehnt später blickt dieser Verband nun zurück: auf sieben Regionalverbände mit elf Beratungsstellen und 15 Beraterinnen, auf über 25.000 geführte Gespräche mit schwangeren Frauen, und gleichzeitig auf eine Verbandsentwicklung, die geprägt war von Leidenschaft, Idealismus und sehr viel Arbeit; bei der in den Anfangsjahren aber auch das eine oder andere in Sachen Organisation und Struktur auf der Strecke geblieben ist. Dies zu analysieren, sich auszutauschen und weiterzudenken – dazu waren Ende März knapp 50 Teilnehmer nach Stuttgart gekommen; Aktive Vorstände und Beraterinnen, Mitglieder und Wegbereiter der ersten Stunde ebenso wie zahlreiche Wohlgesinnte.

„Ich wünsche mir, dass von dem heutigen Tag eine neue Motivation ausgeht, die unserem kleinen Verband in Baden-Württemberg Zukunftsperspektiven vermittelt“ – mit diesen Worten eröffnete Antje Schmidtke den ersten donum-vitae-Fachtag am 28. März, der auf ihre Idee und Initiative zurückgeht. Denn als langjährige donum-vitae-Beraterin, die seit 2006 gleichzeitig auch als Landesgeschäftsführerin agiert, hat Schmidtke die besondere Chance, donum vitae aus unterschiedlichen Perspektiven wahrzunehmen und Ehrenamtliche wie Angestellte zusammenzubringen.

Die Perspektive von Pfarrer Josef Wiedersatz war von Anfang an die des wohlwollenden Beobachters: „ Ihr Verein hat sich zum Ziel gemacht, dem entstehenden, aufkeimenden Leben eine Chance zu geben. Sie wollen Fürsprecher für das geschenkte Leben sein und gleichzeitig die Nöte und Gewissensnöte der Ratsuchenden ernst nehmen. Das führt manchmal auch in die Abgründe menschlicher Existenz. Eine weiße Weste oder saubere Hände, wie es uns von Pilatus überliefert ist, sind da allenfalls graue Theorie. Wer sich von der Not der Menschen berühren lässt, wird seine „kultische“ Reinheit verlieren“. Mit seinem geistlichen Impuls zu Beginn des donum-vitae-Fachtags beschreibt der Stuttgarter Klinikseelsorger nicht nur seine klare und wohltuende Sicht der Dinge, sein Kommen an diesem Tag hatte zudem starke Symbolkraft: War donum vitae seiner Zeit zwar von katholischen Laien gegründet worden, so gab und gibt es nach wie vor unzählige Geistliche, die donum vitae immer den Rücken gestärkt haben, auf offiziellem oder inoffiziellem Wege.

Dass zu diesen Geistlichen auch Bischöfe zählen ist zwar grundsätzlich kein Geheimnis; wer von ihnen nun aber tatsächlich zu Beginn des Jahres 2000 im Wohnzimmer von Dr. Erwin Vetter in Karlsruhe saß, dies behält der damalige Sozialminister des Landes und engagierte Katholik noch immer für sich. „Ich fragte die beiden Herren, ob sie mich verurteilen würden“. „Nein“, war die Antwort der Bischöfe, „Sie haben unseren Segen“. Und wenige Wochen später wurde mit Vetters Unterstützung donum vitae gegründet.

Erwin Vetter war einer der Wegbereiter für donum vitae in Baden-Württemberg. „Ich bin mir auch heute noch absolut sicher, dass es die richtige Entscheidung war. Ich leide darunter, dass meine Kirche sich immer mehr zurückzieht aus dem öffentlichen Leben“. Und deshalb, so fügt er hinzu, habe er aus seiner katholischen Verantwortung heraus Amt und Funktion zur Verfügung gestellt“. Damals hatte er prominente Mitstreiter, die es ihm gleich taten: Dr. Annette Schavan, Dr. Ulrich Goll und Winfried Kretschmann hießen einige der Gründungsmitglieder im Land; Dr. Eva Stanienda, Ärztin und Landtagsabgeordnete, warf Name und Reputation als erste Landesvorsitzende in die Waagschale und musste immer wieder Rückgrat beweisen, war sie doch regelmäßig Anfeindungen verschiedenster Seiten ausgesetzt. Symbolisch für ihr unerschütterliches Engagement gab es für sie im Rahmen des donum vitae-Fachtags als Dank und Anerkennung ein großes Windlicht, das auch bei Gegenwind nicht auszulöschen sei, so die Würdigung der aktuellen Landesvorsitzenden Angela Schmid an ihre Vorgängerin Eva Stanienda.

Diese Persönlichkeiten alle zusammen zu bringen und ein Netzwerk im Hintergrund aufzubauen, das war die Aufgabe von Bert Degenhart. Der ehemalige Ministerialdirigent im Stuttgarter Kultusministerium fühlte sich als Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken in der Pflicht, Ausschau zu halten, ob donum vitae in Baden-Württemberg zu etablieren sei. Und donum vitae konnte etabliert werden; zwischen den Jahren 2000 und 2003 wurden mit seiner Hilfe quer durch das Land Verbände in Stuttgart, Waldshut, Rottweil, Sigmaringen, Freiburg, Freudenstadt und Heidelberg gegründet. Noch heute ist Degenhart Mitglied des Landesvorstands – und wurde für sein beeindruckendes Wirken und Netzwerken vom Landesverband geehrt, ein „donum-vitae-Fernglas“ wurde ihm symbolisch am Fachtag überreicht, das sein Suchen und sein Finden verdeutlichen soll.

Dass die Suche nach Mitstreitern, nach Unterstützern oder nach Spender ganz und gar nicht abgeschlossen ist, das wurde beim Zusammentreffen in Stuttgart deutlich formuliert. Bert Degenhart glaubt sogar, dass es heute schwieriger sei denn je. Denn „der große Konflikt mit dem Papst und den Bischöfen hat uns (die Laien) damals zusammengeschweißt. Wir hatten das große Glück, dass wir Leute gewinnen konnten, die gleicher Gesinnung waren“. Heute, fast ein Jahrzehnt später, sehe man sich zwei Herausforderungen gegenüber: Zum einen stehe in der konkreten Vorstands- und Beratungsarbeit nun der erste Generationswechsel an. Und, so Degenharts Eindruck: „Das Bewusstsein, das wir hatten, nämlich in Verantwortung vor Gott als Kirche – wenn auch nicht im Namen der Kirche – zu wirken, scheint in der nächsten Generation zu schwinden“. Der andere Punkt sei die öffentliche Aufmerksamkeit. „Auch wenn es fast zynisch klingt: Wenn kein Konflikt mehr da ist, wenn es ruhig um uns wird, dann werden wir nicht mehr wahrgenommen“, stellt nicht nur Degenhart fest. Beispielhaft wird dies deutlich an der Reaktion eines Spenders, der sich nach einer der letzten negativen Äußerungen einzelner Bischöfe über donum vitae in der Landesgeschäftsstelle mit den Worten meldete: „Ich wollte gerade meinen Beitrag an donum vitae einstellen, aber jetzt stocke ich ihn auf!“

Nach den konfliktreichen Anfangsjahren ist nun Ruhe bei donum vitae eingekehrt. Eine Ruhe, die alle irgendwann erreiche, sagt Andreas Formella, stellvertretender Geschäftsführer des Badischen Roten Kreuzes und Moderator beim ersten donum-vitae-Fachtag. Der Fachmann in Sachen Verbandsarbeit kommentiert die Situation mit den Worten: „Willkommen in der Realität der deutschen Wohlfahrtspflege“.

Auch donum vitae sei in der Normalität angekommen, so seine Beobachtung. Diese Normalität gilt sicher für donum vitae im Hinblick auf den Status einer gemeinnützigen Organisation. Allerdings ganz und gar nicht für die konkrete Beratungsarbeit vor Ort. Stellvertretend für die 15 donum vitae-Beraterinnen im Land formuliert es eine von ihnen: „Unsere Arbeit wird nie zur Normalität. Jeder Fall produziert neue Wut über das Nicht-Vorhandensein von notwendigen Hilfen!“

Zwischen Leidenschaft, Zahlen und Vertragsklauseln bewegt sich Constanze Kurz-Schlereth seit den ersten donum vitae Tagen. Sie war im Dezember 2000 nicht nur die erste Beraterin im Land, gleichzeitig hielt sie auch als erste Geschäftsführerin in schwierigen Anfangszeiten die Fäden in der Hand. Ein Engagement das ebenfalls mit einer Auszeichnung gewürdigt wurde – der „donum-vitae-Lupe“ für die große Genauigkeit und Sorgfalt, mit der Kurz-Schlereth den Aufbau unterstützte. Für sie persönlich war und ist ihre Arbeit immer mehr als nur Pflicht: „donum vitae ist zum Teil meiner eigenen Lebensgeschichte geworden“, so ihre Worte.

Gitta Grimm unterstreicht das passionierte Engagement, sowohl das der angestellten Fachkräfte in der Beratungsarbeit wie auch das der als Arbeitgeber fungierenden ehrenamtlichen Vorstände: „Inhaltlich wissen wir ganz genau, warum wir diese Arbeit tun“, sagt die Mannheimer Schulleiterin, Gründungsmitglied und seit vielen Jahren im Landesvorstand. „Wir sind sicher, dass wir noch immer das Richtige tun“.

Aus dieser gemeinsamen inhaltlichen Motivation für die Aufgaben und Ziele von donum vitae die bestmögliche Herangehensweise für die Alltagsarbeit zu formulieren - das war einer der Gründe für diesen ersten donum-vitae-Fachtag, dessen Organisation in den Händen von Gertrud Göggel-Stetter, der stellvertretenden Vorsitzenden des Landesverbandes, lag. Rückblick und Austausch waren zwei der Punkte auf der Tagesordnung, in einem weiteren Teil wurden konkrete Maßnahmen zur Umsetzung diskutiert, geleitet von der Frage: „Was müssen wir tun, damit wir in diesen Bereichen besser aufgestellt sind als bisher?“ Fünf Bereiche wurden auf den Prüfstand genommen: die Ablauforganisation, Inhalte und Aufgaben, interne und externe Kommunikation, Neugewinnung von Unterstützern und Mitgliedern sowie das Thema Finanzen und Mittelbeschaffung.

Bis zum 10jährigen Verbands-Jubiläum am 27. Februar 2010 will man in diesen Fragen schon ein ganzes Stück weiter sein; die Ergebnisse des ersten Fachtags wollen bis dahin umgesetzt sein, ein zweiter Fachtag wird mit Sicherheit folgen. Und dafür kann wiederum auf die freundschaftliche Unterstützung des Badischen Roten Kreuzes zurückgegriffen werden: eine Kooperation, die im Jahr 2006 besiegelt wurde, mit dem Hintergrund, als Mitglied beim Badischen Roten Kreuz gleichzeitig in der Liga der freien Wohlfahrtsverbände vertreten zu sein. Antje Schmidtke lies diese Kooperation im Jahr 2008 aufleben, suchte Kontakt bei den erfahrenen Kollegen und dieser große Partner erweist sich nun als interessierter und engagierter Ratgeber, der dem Kleinen Verband „donum vitae“ auf professionelle Weise Nachhilfe in Sachen Struktur anbietet – und das zugleich in großzügiger Manier; Andreas Formella, Sozialpädagoge, Coach und eben Moderator des ersten Fachtags kam als „Geschenk“ des großen Partners nach Stuttgart.