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donum vitae in
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10 Jahre donum vitae in Baden-Württemberg
„Aus unserem tiefsten Inneren heraus fühlen wir uns verpflichtet“

Entgegen aller Widerstände und ohne finanzielle Absicherung: Vor zehn Jahren gründeten katholische Laien die Schwangerenkonfliktberatung donum vitae in Baden-Württemberg

Schwieriger werdende soziale Rahmenbedingungen machen die Arbeit von donum vitae heute wichtiger und gefragter denn je Als im Sommer des Jahres 1999 die deutschen Bischöfe letztendlich Anweisung aus Rom bekamen, aus der Schwangerschafts-konfliktberatung auszusteigen, musste quasi über Nacht eine neue Struktur für die Beratungsarbeit aufgebaut werden, wollte man das Feld nicht ohne katholisches Angebot zurücklassen. Gelang dies in Bayern relativ problemlos (die Beratungsstellen des Sozialdiensts Katholischer Frauen (SkF) wurden allesamt von donum vitae übernommen), so mussten in Baden-Württemberg parallel zu SkF und Caritas weitere Beratungsstellen eingerichtet werden, die eine Konfliktberatung möglich machten. Eine Tatsache, die rasches Handeln von den damaligen Mitgliedern des Zentralkomitees der deutschen Katholiken verlangte – jener Laienvertretung, von der die Initiative zur Gründung von donum vitae ausging. Unter ihnen waren je drei Vertreter der beiden Diözesanräte der Bistümer des Landes, die sich verpflichtet fühlten, für Baden-Württemberg die Initiative zu ergreifen. Ihr Zusammentreffen im Karlsruher Bahnhof am Nikolaustag 1999 war wegweisend für donum vitae im Land: Bald darauf, am 15. Februar 2000, wurde der Landesverband „donum vitae in Baden-Württemberg e.V.“ in Stuttgart gegründet. Für die Leitung der Gründungsversammlung hatten die Initiatoren die damalige Kultusministerin in Baden-Württemberg, Frau Dr. Annette Schavan, gewinnen können, die jetzt auch zugesagt hat, bei der Jubiläumsveranstaltung die Festrede zu halten.

Bei einer Jubiläumsfeier am 27. Februar in Stuttgart wird der Verband gemeinsam mit geladenen Gästen, Gründungsmitgliedern, Förderern, Vorständen, Beraterinnen und Vertretern aus der Politik, zurückblicken und gleichzeitig unter dem Motto „Verantwortung von Christen in der Welt von heute“ Stellung nehmen zur aktuellen Arbeit von donum vitae.

Zehn Jahre donum vitae in Baden-Württemberg; das heißt rein statistisch: Aufbau und Einrichtung von sieben Regionalverbänden, sieben Beratungsstellen mit vier Außenstellen und 15 Beraterinnen. Das heißt weiter: Annähernd 30.000 geführte Gespräche zwischen Waldshut und Heidelberg mit nahezu 22.000 bei Präventions-veranstaltungen erreichten Schülerinnen und Schülern. Und eine neue Aufgabe für die Zukunft: Die Beratung in der Pränataldiagnostik.

Das sind die nackten Zahlen und Fakten; doch was steckt wirklich dahinter, was macht die Arbeit von donum vitae so besonders? Vielleicht auch so besonders wichtig für diejenigen, die donum vitae aufsuchen, sehr oft in einer Situation völliger Verzweiflung. Ein Beispiel von fast 16.000 erlebten Fällen in zehn Jahren mag einen kleinen Einblick geben: Die 37-jährige Mutter eines 9-jährigen Sohnes erfährt, dass sie von ihrem neuen Freund schwanger ist; zu diesem Zeitpunkt ist sie dabei, sich vom alten Lebenspartner zu trennen, mit dem sie noch in einer gemeinsamen Wohnung wohnt. Die Gründung einer Familie mit dem neuen Freund kann sie sich aber unmöglich vorstellen. Mit viel Mut vertraut sie sich ihrem Ex-Partner an. Dieser fühlt sich mitverantwortlich für die zu treffende Entscheidung und begleitet die Frau zum ersten Beratungstermin bei donum vitae. In diesem ersten Gespräch geht es für das Paar vor allem um ihre Beziehung, um Versäumnisse, Fehler und vielleicht doch wieder eine Perspektive. Die donum vitae Beraterin bietet den beiden für die kommende Woche einen weiteren Gesprächstermin an. Bis dahin wollen die beiden nochmals alleine miteinander reden, um Klarheit für sich zu finden und für sie wichtige Bezugspersonen einzubeziehen. Wenige Tage später meldet sich die Frau telefonisch in der Beratungsstelle und verschiebt den Termin zunächst; das Paar benötigt für sich Zeit, um offene Fragen zu klären. Sie bedankt sich nochmals für den intensiven Austausch, den die Beraterin angestoßen hat. Sie fragt an, ob sie sich bei Bedarf selbst wieder melden dürfe. Diese Zusicherung kann die Beraterin geben. Tragischerweise verliert die Klientin kurze Zeit später aufgrund einer Fehlgeburt ihr Kind. Daraufhin wendet sie sich wieder an die Beraterin mit der Bitte, diesen Verlust mit ihr gemeinsam aufzuarbeiten.

Konfliktberatung bei donum vitae heißt, begleiten und sich mit den Betroffenen die nötige Zeit zu nehmen. „Das ist deshalb so wichtig, weil Dinge sich verändern können“, sagt Antje Schmidtke, donum vitae-Beraterin in Stuttgart und Landesgeschäftsführerin. „Für unsere Klientinnen ist es ganz wichtig zu wissen, dass sie jederzeit anrufen oder vorbeikommen können. Sie sollen spüren, dass sie nicht alleine sind“. Unabhängig von ihrer Entscheidung wird die Frau, der Mann oder das Paar respektiert und wertgeschätzt, Hilfe und Begleitung angeboten.

Der Verein donum vitae wurde von katholischen Laien gegründet. Das christliche Menschenbild ist nicht nur auf dem Papier die Grundlage seiner Arbeit: „Allen Beraterinnen von donum vitae ist es ein großes Anliegen, Frauen und Paare beratend zu begleiten, ihre Fähigkeiten und Ressourcen zu stärken und auch in seelischen Nöten beizustehen.“ Deshalb sei die Arbeit aller, der Beraterinnen wie auch der ehrenamtlichen Vorstände, weit mehr als nur ein „Job“, sagt die Diplom-Sozialpädagogin.

Seinen „ausdrücklichen Respekt vor der Wahrnehmung dieser Verantwortung beim so schwierigen und zugleich so notwendigen Thema Schutz des Lebens“, formulierte übrigens der zweite Mann im Staat, Bundestagspräsident Norbert Lammert. Zum 10jährigen Jubiläum des donum vitae-Bundesverbands im vergangenen Oktober in Berlin bat er ebenso „ausdrücklich“ um die Fortführung dieses Engagements.

Dass der Bedarf nach intensiver und professioneller Begleitung zweifelsohne da ist, dies zeigen nicht zuletzt die aktuellen Zahlen: Insgesamt wurden im Jahr 2009 von donum vitae in Baden-Württemberg 1958 Frauen und Paare beraten, es wurden dabei 3928 Gespräche geführt. Die Gewichtung zwischen Konfliktberatung (ein Schwangerschaftsabbruch wird in Erwägung gezogen) und allgemeiner Schwangerenberatung ist in den vergangenen drei Jahren dabei mit durchschnittlich 55% zu 45% stabil geblieben. Auffallend in der Statistik ist allerdings Folgendes: Die Anzahl der notwendigen Gespräche im Fall einer allgemeinen Schwangeren-beratung ist im Jahr 2009 im Vergleich zu 2008 stark angestiegen: Landesweit um knapp 13 % auf 2631 Gespräche.

Für Angela Schmid, die donum vitae-Landesvorsitzende, sind diese Zahlen ganz eindeutig ein Spiegel der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse im Land: „Seit der Einführung der Hartz IV-Gesetzgebung wird es für unsere Klientinnen immer komplizierter. Es gibt einen enormen Beratungsbedarf bei Anträgen und Förderungen rund um die Themen Wohnung, Arbeit und Finanzen“, sagt sie. Eine klare Sprache sprächen auch die gestellten Anträge bei der Bundes- und Landesstiftung: Allein in Stuttgart wurden im Jahr 2009 über 102.000 Euro für einkommensschwache Frauen und Familien beantragt und bewilligt, im Jahr davor waren es knapp 77.000. „Die Situation auf dem Arbeitsmarkt und die sozialen Folgen sind bei uns schon angekommen“, sagt die ehemalige Stuttgarter Stadträtin und Bundestagsabgeordnete.

Die schwierige finanzielle Situation der Kommunen ist auch für donum vitae eine große Sorge. „Ohne Fördermittel ist unsere Arbeit nicht möglich“. Die Rahmenbedingungen und der damit einhergehende große Beratungs- und Begleitungsbedarf für schwangere Frauen und Paare im Land Baden-Württemberg werden weiterhin eine große Herausforderung bleiben. Dessen ist sich die Landesvorsitzende Angela Schmid sicher. donum vitae nimmt diese wichtige gesellschaftliche Aufgabe an.